„Recht im Social Web“ von Christian Solmecke und Jakob Wahlers

In den Bereichen Onlinekommunikation, Online Marketing und Social Media stets up to date bei der aktuellen Rechtsprechung zu sein, ist die reinste Sisyphos-Arbeit: Andauernd schießen neue soziale Netzwerke aus dem Boden, werden neue Urteile erlassen, wo das bereits etwas angestaubte Recht auf die neuen Begebenheiten von Facebook, Youtube und Co. angewendet wurde. Bei Bildern und Videos, die man in den sozialen Netzwerken nutzen möchte, sind u.U. Urheber- und Nutzungsrechte zu beachten, beim Impressum in den sozialen Netzwerken gibt es den ein oder anderen Fallstrick. Im Marketing und als Social-Media-Verantwortlicher ist es natürlich wichtig, in diesen Bereichen stets informiert zu sein, um bestmöglich für den eigenen Arbeitgeber oder Auftraggeber agieren zu können.

Standardwerk für Praktiker und KMUs

Der Galileo-Verlag hat mir kürzlich das neue Buch „Recht im Social Web“ von Christian Solmecke und Jakob Wahlers zur Verfügung gestellt, das sich laut eigenen Angaben an Praktiker richtet, also Mitarbeiter in Social Media Agenturen, Social Media Manager, PR-Leute, klassische Werbeagenturen, – aber explizit auch an Inhaber und Verantwortliche von kleinen Unternehmen und Start-Ups, die erstmals eine Präsenz im Social Web aufbauen möchten.

Recht im Social WebNach einer allgemeinen Einführung in Kapitel 1 steigt das zweite Kapitel dann direkt in medias res ein: Welche Social Media Plattformen gibt es überhaupt, und welche kann ich für mein Unternehmen sinnvoll einsetzen? Desweiteren geht es um das Thema Markennamen, die Impressumspflicht in sozialen Netzwerken und darum, wie man Nutzer/ Fans/ Follower für seine Präsenzen in den Social Media generieren kann. Sicher ist bekannt, dass man an zahlreichen zwielichtigen Ecken des Internets Twitter-Follower und Facebook-Fans kaufen kann, dies ist jedoch natürlich nicht legal und hat auch keinen echten Mehrwert (außer dass diese Zahlen „schön aussehen“).

Kapitel 3 beschäftigt sich ausführlich mit der Verwendung von Bildern und Videos im Social Web. Es wird der Unterschied zwischen Recht am Bild (Urheberrecht) und Recht am Motiv erklärt, verschiedene Arten der Bildernutzung und Besonderheiten bei der Verwendung von Videos behandelt. Immer für ein Staunen gut ist die Tatsache, dass man z.B. den Eiffelturm bei Nacht nicht einfach fotografieren und dieses (selbst geschossene) Bild dann verwenden darf…

Weitere Kapitel befassen sich mit den Themenkomplexen „Musik im Social Web“, der richtigen Verwendung von Texten und mit den Creative-Commons-Lizenzen, den sog. CC-Lizenzen.

Im achten Kapitel geht es um die Verbreitung von Aussagen im Social Web. Darf man seine Meinung frei äußern? Wo ist die Grenze zwischen Meinungsäußerung und Beleidigung, Verleumdung und Schmähkritik? Welche Freiheiten gibt mir die Pressefreiheit? Was ist das sog. Laienprivileg? Was sind die rechtlichen Folgen von unwahren Tatsachenbehauptungen? Was tue ich, wenn ein Shitstorm heranrollt?

Kapitel 9 ist sehr umfangreich und thematisiert alle Bereiche des Datenschutzes im Social Web. Eine Herausforderung ist, dass die dominierenden US-Plattformen wie beispielsweise Facebook oft mit dem EU-Datenschutz kollidieren: Was bedeutet das in der Praxis für den Umgang mit dem Datenschutzrecht? Wie setze ich Social Plugins und Like-Buttons rechtssicher ein? Was ist bei Facebook Apps zu beachten? Wie kann ich Google Analytics rechtssicher einsetzen?

Welche rechtlichen Implikationen es beim Social Media Marketing gibt, erfahren wir in Kapitel 10: Was gilt als Spam und ist zu unterlassen? Welche gesetzlichen Regeln gibt es für Gewinnspiele z.B. auf Facebook? Wie sind „gekaufte“ Bewertungen und gefälschte Nutzermeinungen zu bewerten?

Verantwortung für Inhalte – auch auf den privaten Profilen

Erst in Kapitel 11 kommen wir zu einem Thema, dass sicherlich vielen Firmenchefs den Schweiss auf die Stirn treibt und oft Grund ist, wieso man sich nur sehr zögerlich überhaupt als Firma ins Social Web wagt: das Thema Haftung. Inwiefern hafte ich für eigene und fremde Inhalte? Hafte ich für Links und Embedded Content auf meinen Präsenzen? Wie reagiert man richtig auf eine Abmahnung?

Kapitel 12 betrifft nicht nur Social Media-, Marketing- und Kommunikationsfachleute, sondern jeden einzelnen, der in einem Arbeitsverhältnis steht und (private) Social Media Präsenzen unterhält. Viele von uns haben schon diese Artikel gelesen, wo ein Arbeitnehmer aufgrund eines unbedachten Facebook-Postings oder eines Drücken des Like-Buttons seinen Job verloren hat.

Das 14. und letzte Kapitel gibt dem Leser einige Mustertexte an die Hand, um sich rechtssicher im Social Web bewegen zu können. Dazu gehören beispielsweise das Impressum, eine Datenschutzerklärung, Gewinnspielrichtlinien, Social Media Guidelines und eine Muster-Einwilligungserklärung in die Zusendung von Werbung per email.

Fazit

Es liegt in der Natur der Sache, dass einige der Inhalte dieses Buches tendenziell schnell veralten, es also bald vielleicht schon wieder Zeit für eine Neuauflage wird. Vor diesem Hintergrund empfehle ich die ausführliche Lektüre ausdrücklich denjenigen, die mit der Materie eher noch nicht so vertraut sind. Das Buch kann eine sehr solide Basis schaffen, auf die man dann weiter aufbauen kann – durch die regelmäßige Lektüre einschlägiger Blogs. Auch für„Profis“ kann das Buch aber von Nutzen sein, – als unverzichtbares Nachschlagewerk auf dem Schreibtisch, denn eine Reihe weiterführender Links hilft dabei, schnell den aktuellen Stand der Rechtslage zu ergründen.

Hier gibt es übrigens eine Leseprobe zum Titel!

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