Stirbt das Berufsbild „Social Media Manager“ schon wieder aus?

Dieses Wochenende war ich auf dem Foursquare-Barcamp im Dortmunder U. Neben einer Menge neuer Einsichten zum Thema „Foursquare-Einsatz aus Unternehmenssicht“ habe ich wieder zahlreiche spannende Gespräche auch außerhalb der Sessions, z.B. in der „digitalstrom Lounge“, geführt. Diese Gespräche sind in der Regel sehr inspirierend und einer der Gründe, wieso jeder zumindest einmal in seinem Leben auf einem Barcamp gewesen sein sollte.

Im Gespräch entsprang aus einer Aussage von Punktefrau Christine Dingler eine spannende Diskussion:

Das ist natürlich erstmal eine harte Aussage, insbesondere da die zahlreichen Fortbildungen zum „Social Media Manager“ noch immer boomen und der Bedarf an Social Media Managern immer noch – darf man den zahlreichen Publikationen glauben – ansteigt. Im Gespräch mit Christine und Christian Dingler mussten wir dann aber doch schnell feststellen, dass man – je nach Definition des „Social Media Managers“-  dieser Aussage durchaus zustimmen kann.

Problem: immer noch kein einheitliches Berufsbild oder Anforderungsprofil

Denn was ist überhaupt ein Social Media Manager? Ich für mich habe schon eine recht konkrete Vorstellung davon, was ein Social Media Manager tun und an Skills mitbringen sollte. In dem Zusammenhang verweise ich immer auch gern auf das Buch von Vivian Pein. Aber in sehr vielen Unternehmen herrscht noch immer eine große Unsicherheit: Wirft man einen Blick in die Jobportale, so findet man unter dem Titel „Social Media Manager“ subsumiert eine Reihe unterschiedlichster Jobs: Da werden einerseits noch immer Praktikanten als Social Media Manager auf Werkstudenten-Basis gesucht, die in der PR- oder Marketing-Abteilung das nicht vorhandene Online-Wissen einbringen sollen. Andere Unternehmen suchen als „Social Media Manager“ eigentlich einen Online Marketing- und SEO-Spezialisten, und wieder andere stellen eine Vollzeitkraft für Social Media ein, die dann aber „nur“ Profile mit Cat Content befüllt, eine Strategie sucht man hier oft vergebens.

Stirbt der Social Media Manager aus?

 

Um es kurz zu machen: Die Werkstudenten-Social-Media-Manager, deren Daseinsberechtigung hart gesagt „nur“ darin besteht, die nicht vorhandene Online-Kompetenz oder -Lust von alteingesessenen PR- und Marketingleuten auszugleichen, werden mit Sicherheit auf lange Sicht aussterben. Social Media wird in Zukunft eine unverzichtbare Kompetenz und Qualifikation sein, die man im Marketing und in der Kommunikation einzusetzen wissen muss. Mittlerweile findet das Thema Social Media glücklicherweise immer mehr Einzug in die Ausbildung von Kommunikationsfachleuten. Und als „Social Media Marketing“ ist es nichts anderes als eine weitere Marketing-Disziplin neben „email-Marketing“ „Affiliate Marketing“, „Suchmaschinen-Marketing“ und vielen weiteren.

Auch der Vollzeit-Social-Media-Manager, der die Profile überspitzt gesagt mit Cat Content bespielt, wird wahrscheinlich in naher Zukunft ausgedient haben. Community Manager sind ja für die Bespielung der Kanäle und für die Führung der Community verantwortlich, leisten aber oft auch Support für die Produkte ihrer Unternehmen bzw. sind die Stimme aus der Community ins Unternehmen hinein. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es auch dieses Berufsbild nicht auf lange Sicht geben wird. Vielmehr wird der Kunden-Support sich Social-Media-Kompetenz aneignen müssen, um Anfragen auch auf diesen Kanälen beantworten zu können.

Oder heißt der Social Media Manager bloß bald nicht mehr Social Media Manager?

Den Social Media Manager, wie ihn Vivian Pein in ihrem Buch „Der Social Media Manager“ zeichnet, wird uns sicher noch für einige Zeit erhalten bleiben. Denn es werden noch einige Jahre ins Land gehen, bis Unternehmen ihre Strukturen und Prozesse 100%ig auf die neuen Begebenheiten eingestellt haben, und bis wirklich jeder Mitarbeiter Social Media selbstverständlich im Rahmen seiner jeweiligen Tätigkeit einsetzen kann. Ob dieser von Vivian skizzierte Charakter langfristig „Social Media Manager“ heißt, oder doch vielleicht „Digital Consultant“, „Change Manager“ oder „Projektmanager Prozesse“, vermag ich nicht vorauszusagen.

In der Konsequenz heißt das aber auch, dass ein Zertifikat allein, das einen als „Social Media Manager“ ausweist, längst nicht genug ist. Arbeitet man in der Kommunikation und beackert dort schwerpunktmäßig den Online-Bereich, ist es aber sicher eine tolle Ergänzung. Arbeitet man im Kundensupport und die eigenen Kunden tummeln sich in den sozialen Netzwerken und sprechen das Unternehmen auch dort an, sind Social Media Kenntnisse ebenfalls eine notwendige Zusatzqualifikation. Arbeitet man als Social Media Manager an der Einführung der Themen in Unternehmen bzw. soll ein Unternehmen überhaupt erst fit gemacht werden für’s digitale Zeitalter, ist es mit einem Zertifikat auch nicht weit her. Hier werden weitere Skills wie Projektmanagement-Fähigkeiten, Kenntnisse in Analyse und Konzeption, Wissen über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge usw. benötigt, welche man zum Beispiel durch ein BWL-Studium erwerben kann.

Social Media sind letzten Endes nur ein Kanal und das Wissen um den richtigen Einsatz von Social Media sicherlich eine wichtige Qualifikation, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer beruflich damit etwas machen möchte, sollte sich fragen, in welchem Aufgabengebiet er seine Social-Media-Skills einbringen will: In der Unternehmenskommunikation? In der HR? Im Marketing? Dann macht jeweils diese Bereiche zu Eurem Fachgebiet, und bringt Eure Social Media Kompetenzen ganz selbstverständlich ein, um Eure Kommunikations-, HR- oder Marketing-Ziele zu erreichen! Denn Social Media sind kein Selbstzweck und Facebook ist keine Strategie! (Bingo! ;) )

 

11 Gedanken zu „Stirbt das Berufsbild „Social Media Manager“ schon wieder aus?

  • Danke für den wichtigen Beitrag. Ich bin sogar nicht sicher ob sich überhaupt der Begriff „Social Media“ halten wird, oder den Begriff „Neue Medien“ (so wie z.B. BVB seine webbasierte Kommunikation benennt) – noch mehr bin ich unsicher, ob der Redakteur im Web eher Content-Manager, Community-Manager, Cross-Media-Redakteur oder Online-Redakteur heißen wird, Im Moment herrscht wahrlich ein heilloses Durcheinander.

    Aber so wichtig finde ich das nicht. Wichtig ist, was dahinter steckt! Sicher machen auch immer bei uns in den IHK-Zertifikatslehrgängen Teilnehmer mit, die schon seit Jahren professionell als Content-Manager arbeiten und das Zertifikat vor allem anstreben, um endich eine Legitimation für den Lebenslauf zu erwerben.

    Doch IM Lehrgang mit seinen hohen Anforderungen, selbstständig eine Social Media Strategie zu entwickeln stellt jeder fest (ob Führungskraft ohne Facebook-Account oder Digital Native ohne Führungskompetenzen), dass es hier wirklich um Management-Aufgaben geht: Konzipieren, Führen, Steuern, Evaluieren.

    Viele wählen für ihr mittelständisches Unternehmen mit einigen hundert Mitarbeitern für die Strategie die interne Kommunikation (das was heute noch unter dem Schlagwort Enterprise 2.0 läuft) als Thema – gerade hier ist die Aufgabe eines Social Media Managers sehr von Bedeutung.

    Aber natürlich wird letztendlich „auf dem Platz“ entschieden, ob Jemand zu Recht diesen klanghaften Namen trägt – dank Social Media ist es keine Kunst, die „wahren“ Social Media Manager von den „Aufschneidern“ zu unterscheiden.

    • Hallo Eva,
      Danke für den ausführlichen Kommentar!

      Das mit den Scheinen und Zertifikaten in Deutschland ist ja wieder ein eigenes sehr spezielles Thema. ;) Aber wir scheinen uns einig zu sein, das Social Media eine Zusatzqualifikation ist, und viele Eurer Absolventen auch vorher schon einen soliden Background und Erfahrung haben. Sei es als Content Manager, PR Manager, Online-Redakteur oder oder oder.

      Vielleicht stirbt auch nur der Jobtitel aus. Einen Fax-Manager gibt es schließlich meines Wissens auch nicht. ;)

  • Hallo Michaela, du hast in deinem Blogpost viele aktuelle Themen rund den Begriff des „Social-Media-Managers auf den Punkt gebracht. Ich denke auch, dass sich die Begriffswelt verändern wird und der Umgang der Unternehmen mit der Onlinekommunikation weiter verändern muss. Wer seine Homepage abschaltet und ausschließlich auf eine Facebookseite als Informations- und Kommunikationskanal setzt, der sitzt daneben!

    Nennen wir es Online-Kommunikation und freuen wir uns auf die kompetenten Journalisten und Marketingstrategen, die von den angebotenen Kanälen und Plattformen Plattformen profitieren, weil sie sie strategisch nutzen.

    In diesem Sinne
    Klaus

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