Sollte die Personenmarke bei der Entscheidung für einen Ehenamen eine Rolle spielen?

Gestern hat Romy Mlinzk einen sehr spannenden, aber auch polarisierenden Beitrag bei Lead Digital veröffentlicht. Kurz umrissen geht es darum, dass Romy sagt, viele Frauen würden bei einer Heirat ohne Nachzudenken einfach den Namen des Mannes annehmen und so unter Umständen eine lange aufgebaute Personenmarke (Personal Brand) zerstören. Das mit der Personenmarke mag sich einem Großteil der Bevölkerung nicht erschließen bzw. schlichtweg nicht relevant sein, aber man kann auch nicht wegdiskutieren, dass das sicher ein Thema ist, wenn man journalistisch tätig ist. Der Titel des Beitrags „Der Kleinmädchentraum zerstört Ihre Marke“ tat wohl sein Übriges dazu, dass die Emotionen hochgekocht sind. Jetzt kann man Romy attestieren, dass sie ihren Job sehr gut versteht, sollte diese Provokation Absicht gewesen sein. Denn eines hat sie damit erreicht: Ihr Artikel wird hoch und runter diskutiert und ich habe sogar schon einige Folge-Blogbeiträge von anderen dazu gesehen.

CoupleIch habe lange überlegt, ob ich mich auch zu diesem Thema äußern soll. Ich habe einige Facebook- und Twitter-Diskussionen dazu verfolgt und dann beschlossen, dass meine Ansicht dazu nicht in 140 Zeichen passt.

Ich glaube es war absehbar, dass Romy mit ihrem Artikel und dem Wort „Kleinmädchentraum“ ganz bestimmten Leuten auf die Füße tritt, die sich angesprochen fühlen und wohl auch gemeint sind. „Kleinmädchentraum“ impliziert eine gewisse Naivität, das Wort hat „Geschmäckle“. Hier geht dann leider unter, dass man sich als Frau auch ganz bewusst dafür entscheiden kann, den Namen des Mannes anzunehmen.

Ich unterstelle beispielsweise der „Punktefrau“ Christine Dingler, dass sie sich der von Romy angesprochenen Thematik mehr als bewusst war, als sie sich entschieden hat, den Namen ihres Mannes zu führen. (Übrigens kennen wir alle einen Mann, der vor vielen Jahren den Namen seiner Frau angenommen und sich damit quasi als Personenmarke neu erfunden hat…)

Einen Stein ins Rollen bringen

Andererseits finde ich es durchaus legitim, einmal über die von Romy thematisierte Problematik nachzudenken. Mit dem digitalen Wandel und dem Stellenabbau in Redaktionen tönt es immer wieder, dass man sich als Journalist eine Marke aufbauen solle, um im Wettbewerb weiter zu bestehen. Über Diskussionen auf Twitter habe ich mitbekommen, dass es durchaus Menschen gibt, die sich darüber nie zuvor Gedanken gemacht haben, diese Frage aber durchaus für bedenkenswert halten. Somit hat Romy mit ihrem Artikel vielleicht schon alles erreicht, was sie erreichen wollte: Auf die Thematik aufmerksam machen, so dass man sich bei einer Heirat bewusst für einen bestimmten Namen oder auch einen Doppelnamen entscheiden kann, und nicht nur etwas macht, weil das ja „schon immer so gemacht wurde“. (Nein, ich möchte mich an dieser Stelle bitte nicht auf feministische Diskussionen einlassen.)

Was ich schade fände

Ich finde, eine Heirat und auch die Art der Namensführung sind eine sehr persönliche Entscheidung. Ich habe ein wenig Sorge, dass dies nun wieder zum Politikum erhoben wird und man sich, egal welchen Namen man nach einer Heirat führen möchte, vor einem der zwei gespaltenen Läger wird rechtfertigen müssen. Ich finde es wichtig, dass Romy diesen Aspekt einmal auf den Tisch gebracht hat, aber letzten Endes muss das jede/r für sich selbst entscheiden und diese Entscheidung sollte dann bitte auch akzeptiert werden!

 

Bild: freedigitalphotos.net

3 Gedanken zu „Sollte die Personenmarke bei der Entscheidung für einen Ehenamen eine Rolle spielen?

  • Vielleicht zur Dokumentation: Ich (männlich) habe Ende der 90er den Namen meiner ersten Ehefrau angenommen (Rossi), weil er international als „Marke“ einfacher (und vor allem einfacher auszusprechen) war als mein alter Name (Siedschlag). Nach meiner Scheidung und in meiner zweiten Ehe habe ich diesen Namen dann behalten, weil er mittlerweile im Rahmen meines Netzwerks eine wirklich gut aufgebaute (und in D recht einzigartige) Personenmarke darstellte. Aus emotionalen Gründen ist das dann allerdings nicht der Familienname geworden. Meine drei Kinder heissen alle wie meine zweite Frau. Wäre auch komisch wenn sie hiessen wie die erste Frau. 

    • Hallo Carsten.

      Danke für die Dokumentation. Du bist jetzt der zweite Mann, von dem ich höre, dass er aus Branding-Gesichtspunkten den Namen seiner Frau angenommen hat. Spannendes Thema, das ja offensichtlich doch eines ist. ;)

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